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Das älteste Geschäft in Chinatown, das von einer Familie geführt wird, spielt für die Community immer noch eine wichtige Rolle

Mei Lum, Unternehmerin der fünften Generation, bewahrt die Tradition von Wing on Wo und strebt gleichzeitig eine sichere, inklusive Zukunft für ihre Community an.

Die Großmutter von Mei im Jahr 1965.

Das Geschäft von Mei Lum ist 100 Jahre älter als sie selbst. „Wing on Wo wird seit 1890 von meiner Familie betrieben“, sagt die Inhaberin in der fünften Generation. Das Geschäft war zunächst ein Gemischtwarenladen, als sich Chinatown in New York zu entwickeln begann. „Sie verkauften Erinnerungen an zu Hause, eine kleine Auswahl an Porzellan und waren auch ein informeller Postdienst für Leute, die zwischen Südchina und New York hin und her reisten.“ 1925 zog das Geschäft an seinen jetzigen Standort, 26 Mott Street. Ein Kräuterspezialist verkaufte dann zusätzlich seine Waren und es gab ein Erdloch zum Braten von Schweinefleisch, bevor man sich ab 1964 auf den Verkauf von traditionell bemaltem Porzellan konzentrierte. Damals übernahm Po, die Großmutter von Mei (Bild oben), das Geschäft als Inhaberin und leitete es bis vor sechs Jahren, als es Mei im Alter von erst 26 Jahren übernahm.

Mei startete den Online-Verkauf, baute enge Beziehungen zu anderen Geschäften im Viertel, die von Frauen geführt werden, auf und erkundete sogar Möglichkeiten für den Großhandel. Das ist für eine Frau, die sagt, dass sie nie erwartet hätte, das Geschäft zu führen, ziemlich beeindruckend. Sie gründete zudem eine gemeinnützige Organisation, The W.O.W. Project, die mit Kunst und politischen Aktionen gegen die Verdrängung und Gentrifizierung in Chinatown kämpft und eine bessere Zukunft für weibliche, queere und transsexuelle Jugendliche schaffen will. Mei sagt, dass die Arbeit des W.O.W.-Projekts die ursprüngliche Rolle von Wing on Wo als Treffpunkt der Community aufgreift, von Versammlungen im Laden bis hin zu beeindruckenden Wandmalereien. Und das ist nur der Anfang. „Wir möchten, dass die Leute ihren Horizont erweitern, wenn sie darüber nachdenken, wie ein Schaufenster zur Gestaltung einer Nachbarschaft beitragen kann“, sagt sie.

Trotz der Veränderungen bleibt Wing on Wo ein Mehrgenerationenprojekt der Familie. „Meine Großmutter, mein Großvater und meine Großtante besuchen jeden Tag das Geschäft“, sagt sie. Ihre Großmutter hilft ihr sogar im Bereich der sozialen Medien. So stellt sie auf Instagram in der Serie „Po‘s Picks“, die von QVC inspiriert ist, verschiedene Artikel aus dem Geschäft vor. „Das hat es ihr ermöglicht, ihre eigene Rolle in unserer digitalen Präsenz zu spielen“, sagt Mei mit einem Lächeln. „Sie ist so etwas wie unsere 90-jährige Marketingfrau.“

Wir haben mit Mei darüber gesprochen, wie es ist, ein Geschäft zu übernehmen, das sehr viel älter als man selbst ist, wie Kunst den Wandel vorantreiben kann und was sie sich für die Zukunft von Chinatown erhofft.

Wie ist es dazu gekommen, dass du Wing on Wo übernommen hast?

2016 war für meine Familie eine entscheidende Zeit. Wir dachten darüber nach, das Geschäft zu schließen, weil sich meine Großmutter immer mehr um die Pflege meines Großvaters, der 93 Jahre alt war, kümmern musste. Zu der Zeit zog ich aus Asien, wo ich lebte und arbeitete, nach New York zurück und wurde erneut in Chinatown heimisch. Ich traf Diane Wong, die dabei war, mit den Forschungsarbeiten im Rahmen ihrer Dissertation über Verdrängung und Gentrifizierung in den Chinatown-Vierteln in den USA zu beginnen, und sie bat mich, sie zu Interviews mit Menschen im Viertel zu begleiten.

Damals begann ich, darüber nachzudenken, welche Auswirkungen es für die Community in Chinatown hätte, wenn wir unser Geschäft schließen würden. Ich begann, mich damit zu befassen und über die Sorgen nachzudenken, die viele der Leute aus der Nachbarschaft, mit denen ich sprach, hatten, insbesondere im Hinblick auf die Verdrängung von Bewohnern und der alteingesessenen Geschäfte, die langsam verschwanden. Also beschloss ich, es selbst zu versuchen. Mir war es sehr wichtig, dass meine Familienangehörigen in Chinatown alt werden konnten. Das war und ist für mich der wichtigste Grund, warum ich das Geschäft übernommen habe. Alles andere hat sich aus dieser wichtigen Entscheidung, die für mich unerwartet kam, entwickelt.

Ohne die Möglichkeit, miteinander in Verbindung zu treten, einander zu verstehen und einander zu sehen, gibt es keine Community und gibt es keine funktionierende Nachbarschaft.

Ihre Familie führt das Geschäft seit 1890, das sich seit 1925 an diesem Standort befindet. Was hast du von den früheren Generationen gelernt, das für deine Arbeit heute besonders wichtig ist?

Mein Großvater war in der Community eine sehr wichtige Person. Er unterstützte Angestellte in Restaurants und gründete sogar eine eigene Initiative im örtlichen Polizeirevier, um sicherzustellen, dass es in den 80er Jahren zweisprachige Unterstützung für Leute gab, die Straftaten anzeigen wollten. Sein Vorbild hat mich sehr geprägt. Wenn wir durch das Viertel spazierten, konnten wir nicht eine Querstraße weit gehen, ohne dass er Bekannten traf und diese grüßte. Etwas, das ich von ihm und auch von meiner Großmutter übernommen habe, ist, dass es wirklich wichtig ist, da zu sein, Beziehungen aufzubauen und die Verbindungen zu Menschen in der Community zu vertiefen. Das sollte im Mittelpunkt der Arbeit stehen. Ohne diese Beziehungen, ohne die Möglichkeit, miteinander in Verbindung zu treten, einander zu verstehen und einander zu sehen, gibt es keine Community und gibt es kein Viertel.

Während der COVID-19-Pandemie war Chinatown in New York einer der am stärksten betroffenen Stadtteile, da sich um die Pandemie herum vielschichtige, komplexe Erzählungen entwickelten. Ich glaube nicht, dass wir das bewältigt hätten, wenn wir uns einander nicht gehabt hätten. Beziehungen sind wirklich das Wichtigste, weit wichtiger als Geld zu verdienen oder sich um das Ansehen oder um all das glänzende Zeug zu sorgen, das in einer kapitalistischen Gesellschaft so wichtig zu sein scheint. Diese Erkenntnis bestimmt stets mein Handeln.

Erzähl mir etwas über deine Non-Profit-Organisation, The W.O.W. Project. Wie nutzt du Mailchimp, um mit deinen Unterstützern zu kommunizieren?

The W.O.W. Project ist eine Non-Profit-Organisation, die sich mit Kunst und politischen Aktionen gegen die kulturelle Verdrängung wehrt, die im Viertel geschieht. Wir haben Mailchimp von Anfang an genutzt, um unsere Community über unsere Aktivitäten zu informieren. Manchmal sind es aktuelle Informationen über das Programm – etwa Informationen, die wir über zukünftige Veranstaltung teilen – und manchmal nutzen wir es für Neuigkeiten. In unserem Viertel ist viel passiert, vor allem seit 2020. Für alle dringenden Angelegenheiten, bei denen wir die Menschen auffordern wollen, aktiv zu werden, verwenden wir Mailchimp, um die Nachrichten zu verbreiten und Möglichkeiten zu zeigen, wie sich die Leute beteiligen können.

Was sind die großen Ziele und das Vorhaben von The W.O.W. Project und wie hängen diese mit der Arbeit in Ihrem Geschäft zusammen?

Wir konzentrieren uns besonders auf weibliche, queere und transsexuelle Jugendliche asiatischer Abstammung und wir wollen, dass sie in unserer künstlerischen und politischen Arbeit die Akzente setzen. Chinatown in Manhattan ist sehr durch das Patriarchat geprägt. Seine Ursprünge lassen auf einem Club für Männer zurückführen, deren Frauen und Kinder in Asien lebten, und viele Führungspositionen im Viertel waren von Männern besetzt. Meine Großmutter war offensichtlich ein Vorbild und meine Mutter auch und ich bin in einer sehr stark matriarchalischen Linie aufgewachsen. Aber Frauen sind in unserer Community lange an den Rand gedrängt worden. Es ist für uns sehr wichtig, in Chinatown eine andere Zukunft zu gestalten und sicherzustellen, dass diese besondere Community einen Raum hat, in dem diese Fähigkeiten kultiviert und für diese Zukunft gestärkt werden.

In kleinen ethnischen Stadtvierteln sind alteingesessene Geschäfte oft informelle Treffpunkte. Schon als das Geschäft 1890 gegründet wurde, war das seine zweite Funktion. Insofern beziehen wir uns, wenn wir Veranstaltungen in unserem Ladenlokal abhalten, auf die ursprüngliche Tradition. Wir renovieren unseren Raum im Untergeschoss, der früher ein Friseursalon mit zwei Plätzen war. Dort finden alle unsere Veranstaltungen von The W.O.W. Project statt. Wir haben ein Programm für Künstler und jede Woche findet unser Kunst- und Aktivismus-Programm für Jugendliche statt.

Kalligrafie-Workshop, The W.O.W. Project, Foto: Eric Jenkins

Warum misst du, als Geschäftsinhaberin und als Organisatorin einer Community, der Kunst so große Bedeutung bei?

Kunst ist für uns schon auf der Grundlage des Ladens ein natürliches Medium: Keramik als Kunstform ist ein Medium für Geschichten, Erinnerungen und Kulturgeschichte. Das ist für viele Leute ein erster Zugang. Sie kommen zu uns und erleben, dass sie keine Künstler sein müssen, aber sich dennoch mit einem kulturellen Handwerk beschäftigen, mit dem sie aufgewachsen sind, von dem ihnen ein älteres Familienmitglied erzählt oder das ein älteres Familienmitglied ihnen beigebracht hat. Das ermöglicht es uns, Beziehungen zu entwickeln, die in der eigenen Familiengeschichte der Leute wurzeln. Wir lernen sie erst kennen und entdecken dann die Gemeinsamkeit untereinander.

Was die Kunst als Form des politischen Handelns betrifft, ist es ähnlich. Kunst ermöglicht es uns, Gespräche über etwas Vertrautes zu führen und das dann zu einem größeren Thema in Bezug auf die politische Aktion auszuweiten. Wir wollten Künstler einbeziehen, die es den Mitgliedern der Community durch Workshops ermöglichen, das Endprodukt, das in unserem Schaufenster aufgestellt wird, mitzugestalten, damit es eine Bedeutung für unser Viertel hat und dort erlebt werden kann. Es hat schon etwas für sich, wenn die Leute an unserem Geschäft vorbeigehen und Arbeiten sehen, die ihre Persönlichkeit und ihre Werte widerspiegeln. Das trägt viel dazu bei, unsere Community zu stärken.

Was würdest du deiner hypothetischen Ur-Ur-Ur-Enkelin raten, wenn sie wie du das Geschäft übernehmen würde?

Ich glaube, ich würde ihr nur sagen: „Hab keine Angst, es nach deinen Vorstellungen zu gestalten.“ Es ist immer gut, sich daran zu halten, wenn man eine Aufgabe übernimmt, die, wie es ich erlebt habe, man so nicht vorhersehen konnte. Ich habe mich daran orientiert, was ich für richtig gehalten habe – bei kleineren alltäglichen Entscheidungen, aber auch bei größeren Entscheidungen. Achte darauf, dass es dir Freude macht, was du tust, und probiere Dinge aus. Höre auf dein Bauchgefühl.

Hinweis: Mailchimp hat für das The W.O.W. Project gespendet. Weitere Informationen über das Projekt findest du unter wowprojectnyc.org.

Veröffentlicht am: 23. Mai 2022

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