Neue Kunden zu gewinnen ist oft ein Zahlenspiel, und es kann verlockend sein, bei der Kontaktaufnahme so aggressiv wie möglich vorzugehen. Kaltakquise per Telefon oder E-Mail ist seit langem Teil des Verkaufsprozesses. Kommen dabei SMS zum Einsatz, begibt man sich damit jedoch auf riskanteres Terrain. Der Grund: Das Versenden von SMS-Nachrichten ohne vorherige ausdrückliche Zustimmung kann schnell zu einem Compliance-Problem werden.
In vielen Fällen ist Kaltakquise per SMS illegal, vor allem, wenn Werbetexte verschickt werden, ohne eine Einverständniserklärung einzuholen. In diesem Artikel erfährst du, warum Vertriebsteams Kaltakquise per SMS vermeiden, ihre Marketingstrategie schützen und kostengünstige Alternativen nutzen sollten, um Beziehungen aufzubauen, Leads zu pflegen und potenzielle Kunden zu binden.
Was ist Kaltakquise per SMS?
Bei Kaltakquise per SMS werden unaufgeforderte Textnachrichten an Personen gesendet, die dem Erhalt nicht zuvor per Opt-in zugestimmt haben. Die Absender haben in der Regel kaum Hintergrundinformationen über die Empfänger, abgesehen von einer Telefonnummer, die aus einer Liste oder einer Drittanbieterquelle stammt. Mit diesen Nachrichten werden oft Angebote beworben, um umgehende Antworten gebeten oder Verkaufsgespräche angestoßen, ohne dass zuvor eine Beziehung aufgebaut wurde. Da SMS ein sehr persönlicher Kanal ist, werden unaufgeforderte Nachrichten häufig als aufdringlich, unpassend und unangebracht empfunden.
Warum manche Unternehmen potenziellen Kunden unaufgeforderte SMS schicken
Einige Unternehmen nutzen Kaltakquise per SMS, weil diese Methode in der Theorie schnell, günstig und skalierbar erscheint. Weil SMS hohe Öffnungsraten haben, können die Ergebnisse einer unaufgeforderten Textnachricht ein falsches Gefühl der Wirksamkeit vermitteln. Wenn man bedenkt, dass E-Mail-Inboxes mit Nachrichten überfüllt sind, Kaltakquise zeitaufwendig ist und Ads kostspielig sind, kann es verlockend sein, auf diesen Zug aufzuspringen.
Unaufgeforderte Textnachrichten erwecken auch den Eindruck einer direkten Kommunikation, ohne dass eine Zielgruppe aufgebaut werden muss. Das Problem dabei ist, dass Geschwindigkeit und Reichweite nicht gleichbedeutend sind mit Vertrauen, Relevanz oder langfristigen Ergebnissen.
6 Gründe, warum unaufgeforderte Nachrichten keine gute Idee sind
Kaltakquise per SMS mag von außen betrachtet effizient erscheinen. Allerdings ist sie mit erheblichen Konsequenzen verbunden, wie etwa rechtlichen Risiken, Imageschäden und internen Reibungsverlusten, die weitaus mehr Kosten verursachen, als sie einsparen.
Grund Nr. 1: Macht dich anfällig für rechtliche Schritte
Das Versenden von unerwünschten Werbenachrichten setzt Unternehmen einem direkten regulatorischen Risiko aus. In den Vereinigten Staaten verlangen Gesetze wie der Telephone Consumer Protection Act (TCPA) eine ausdrückliche, dokumentierte Zustimmung, bevor Marketing-SMS versendet werden dürfen. In anderen Ländern sind unaufgeforderte SMS aufgrund ähnlicher Vorschriften ebenfalls illegal. Unternehmen müssen mit Geldstrafen pro Nachricht, Sammelklagen und Prüfungen rechnen, was Zeit und Geld kostet.
Selbst wenn eine Kampagne klein oder informell erscheint, kann eine einzige Beschwerde über eine unaufgeforderte Textnachricht eine genaue Untersuchung zur Folge haben. Sich auf gekaufte Listen oder eine stillschweigende Einwilligung zu verlassen, ist besonders riskant und oft nicht zu rechtfertigen, wenn es zu Beanstandungen kommt. Das macht es schwierig, Bußgelder zu vermeiden.
Grund Nr. 2: Untergräbt das Vertrauen
Die Kommunikation mit Kunden per SMS ist persönlich. Wenn eine Marke ungebeten in der Inbox einer Person auftaucht, sorgt das sofort für Ärger. Die Empfänger fragen sich, wie du an ihre Nummer gekommen bist und was du sonst noch mit ihren Daten anstellen könntest. Wenn dieses Vertrauen einmal gebrochen ist, ist es schwer wiederherzustellen. Selbst wenn die Nachricht an sich höflich oder gut formuliert ist, wird sie durch die Umstände untergraben. Denn schließlich wird Vertrauen durch Einholen der Zustimmung und Relevanz aufgebaut.
Grund Nr. 3: Schadet der Glaubwürdigkeit der Marke
Unaufgeforderte Nachrichten beeinflussen, wie eine Marke im Allgemeinen wahrgenommen wird. Die wiederholte Zusendung unerwünschter SMS kann dazu führen, dass dein Unternehmen mit Spam in Verbindung gebracht wird, unabhängig davon, wie großartig dein Produkt oder deine Dienstleistung ist.
Diese negative Wahrnehmung verbreitet sich durch Mundpropaganda, Screenshots und Online-Beschwerden. Mit der Zeit nimmt dadurch die Glaubwürdigkeit bei potenziellen Kunden, Partnern und sogar Investoren Schaden. Eine Marke, die sorglos oder nachlässig mit Daten umgeht, verliert schnell an Autorität.
Grund Nr. 4: Führt zu niedrigen Konversionsraten
Trotz hoher Öffnungsraten bei SMS führen unaufgeforderte Nachrichten an potenzielle Kunden selten zu einer erfolgreichen Konversion. Weil der Kontext fehlt, ist es unwahrscheinlich, dass die Empfänger dadurch zum Handeln angeregt werden. Stattdessen ignorieren viele die Nachricht völlig oder melden sich sofort ab. Andere wiederum reagieren genervt oder unfreundlich, was zwar als Reaktion zählt, aber keinen Nutzen bringt. Wenn du Abmeldungen, Beschwerden und den Verlust von Kontakten berücksichtigst, liegt die tatsächliche Konversionsrate oft deutlich unter den prognostizierten Werten.
Grund Nr. 5: Verursacht Probleme mit der Datenqualität
Wenn du potenziellen Kunden Textnachrichten ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung schickst, führt das zu langfristigen Datenproblemen, die sich auf deine gesamten Systeme auswirken, einschließlich deiner SMS-Plattform und deiner Kontaktliste.
Falsche Zahlen
Gekaufte Listen oder solche, die von anderen Quellen ausgelesen wurden, sind bekanntermaßen unzuverlässig. Viele Nummern sind veraltet, wiederverwendet oder schlichtweg falsch. Wenn deine Nachrichten nicht zustellbar sind oder die falsche Person erreichen, verzerrt das die Berichterstattung und verschwendet dein Marketingbudget.
Spam-Beschwerden
Unerwünschte SMS führen zu Beschwerden. Jede Beschwerde schadet deiner Absenderreputation und kann die Zustellbarkeit zukünftiger legitimer Kampagnen beeinträchtigen. Sobald die Anbieter deinen Traffic kennzeichnen, ist die Wiederherstellung deiner Reputation langsam und ungewiss.
Unsaubere CRM-Daten
Wenn kalte Kontakte in deine Kundenbeziehungsmanagement (CRM)-Plattform gelangen, verzerren sie die Segmentierung und Analysen. Engagement-Metriken verlieren ihre Aussagekraft, Lead-Bewertungen werden unzuverlässig und Teams verlieren das Vertrauen in die Daten.
Grund Nr. 6: Erhöht den Arbeitsaufwand für interne Teams
Unaufgeforderte Textnachrichten führen zu mehr und nicht zu weniger Arbeit und verursachen einen nachträglichen Bereinigungsaufwand, der keinen strategischen Mehrwert bietet. Interne Teams müssen die Kosten für eine Abkürzung tragen, die letztendlich keine Zeitersparnis gebracht hat.
Beschwerden
Der Kundensupport muss sich schließlich mit verärgerten Antworten, Abmeldeanfragen und Verwirrung von Empfängern auseinandersetzen, die nie darum gebeten haben, von dir zu hören. Diese Interaktionen generieren selten Einnahmen, erfordern jedoch dennoch Sorgfalt und Dokumentation.
Compliance-Überprüfungen
Es kann erforderlich sein, die Rechts- und Compliance-Teams hinzuzuziehen, um das Risiko nach dem Versand einer unaufgeforderten Nachricht zu bewerten. Anstatt das Wachstum zu fördern, sind sie gezwungen, Schadensbegrenzung zu betreiben, Einwilligungsunterlagen zu überprüfen und Anfragen zu beantworten.
Datenbereinigung
Aufgrund der hohen Anzahl von Fehlern und ungültigen Antworten sind Unternehmen gefordert, Listen zu bereinigen, CRM-Datensätze zu reparieren und Workflows neu zu erstellen, die von schlechten Daten betroffen sind. Diese reaktive Arbeit beansprucht Zeit, die für wichtigere Aufgaben benötigt wird.
6 bessere Alternativen zur Kaltakquise per SMS
Kaltakquise per SMS ist nicht deine einzige Option. Es gibt bewährte, skalierbare Möglichkeiten, SMS und andere Kanäle zu nutzen, ohne potenzielle Kunden zu verärgern, deine Daten zu verunreinigen oder dein Unternehmen zu gefährden. Hier sind die besten Methoden.
Alternative Nr. 1: Einwilligungsbasierte SMS-Strategien
Wenn du SMS nutzen möchtest, dann geh das Ganze richtig an. Wenn du potenzielle Kunden mit einwilligungsbasierten Strategien dazu ermutigst, vorab ihre Zustimmung zu erteilen, wird das Versenden von Textnachrichten zu einem wertvollen Dienst für deine Zielgruppe und nicht zu einer unerwünschten Störung.
Klare Zustimmungsvoraussetzungen
Die Zustimmung sollte ausdrücklich, dokumentiert und leicht verständlich sein. Die Menschen sollten genau wissen, wofür sie sich anmelden, wie oft sie von dir hören und welche Art von Nachrichten sie erhalten werden. Diese Klarheit schafft die richtigen Erwartungen und reduziert spätere Abmeldungen.
Double-opt-in
Mit einem Double-opt-in werden Abonnenten gebeten, ihre Absicht, Nachrichten von dir zu erhalten, noch einmal zu bestätigen. Durch diesen zusätzlichen Opt-in-Schritt werden versehentliche Einträge, gefälschte Nummern und Kontakte mit geringem Interesse herausgefiltert. Das Ergebnis ist eine kleinere, aber weitaus engagiertere Zielgruppe, die tatsächlich von dir hören möchte.
„Click-to-Text“-Button
Mit „Click-to-Text“-Buttons auf Websites, Landingpages oder in E-Mails können Benutzer selbst eine Konversation beginnen. Dadurch wird ein unmittelbarer Kontext geschaffen und die Kontrolle auf den Kunden übertragen.
Alternative Nr. 2: Warmakquise per SMS
Warmakquise per SMS bezeichnet das Versenden von Nachrichten an jemanden, mit dem du zuvor bereits Kontakt hattest oder wenn du bereits einen Anknüpfungspunkt hast. Hierzu kann beispielsweise das Verschicken von Textnachrichten an frühere Kunden, aktuelle Leads oder Benutzer gehören, die mit deinen Inhalten oder deinem Support-Team interagiert haben. Der Empfänger erkennt deine Marke und versteht, warum du ihn kontaktierst.
Warmakquise per SMS funktioniert am besten, wenn die Nachrichten zeitnah versendet werden und relevant sind, wie beispielsweise Terminerinnerungen, Follow-ups oder hilfreiche Updates. Sparsam eingesetzt, stärken sie das Vertrauen.
Alternative Nr. 3: Kontaktaufnahme per E-Mail
Kaltakquise per E-Mail ist nach wie vor ein effektives Instrument zur Kundengewinnung. So hast du mehr Platz, um zu erklären, wer du bist, warum du dich meldest und welchen Mehrwert du bietest. E-Mails werden als weniger aufdringlich empfunden als SMS, vor allem beim ersten Kontakt.
Sobald jemand mit deiner E-Mail interagiert, indem er darauf klickt, antwortet oder sich anmeldet, kann SMS zu einem sekundären Kanal werden. Mit dieser Vorgehensweise respektierst du die Aufmerksamkeit des Kunden und stellst den Kontext her, bevor die Kommunikation per SMS erfolgt.
Alternative #4: Event-Nachbereitung
Events verschaffen dir eine natürliche Berechtigung. Ob Webinar, Konferenz, Demo oder persönliches Treffen – die Teilnehmer haben bereits Interesse bekundet. Eine Nachfassaktion nach einem Event wird eher als selbstverständlich denn als aufdringlich empfunden, insbesondere wenn sich die Nachricht auf das Event bezieht.
SMS können hier gut für relevante Informationen, Aufzeichnungen oder nächste Schritte eingesetzt werden, vorausgesetzt, dass du bei der Registrierung die Zustimmung eingeholt hast. Dieser Kontext erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Empfänger auf Folgenachrichten reagieren.
Alternative Nr. 5: Empfehlungsbasierte Anfragen
Empfehlungen nutzen das Vertrauen, das du dir bereits erarbeitet hast. Anstatt jemanden kalt zu kontaktieren, wirst du so über einen Kunden, Partner oder Kollegen vorgestellt, der bereits für dich bürgt. Das kann in Form von Empfehlungslinks, gemeinsamen Angeboten oder einfachen Einführungen erfolgen.
Wenn SMS in diesem Zusammenhang verwendet werden, stellt der Empfänger in der Regel den Kontakt her oder stimmt dem Erhalt von Informationen ausdrücklich zu. Die empfehlungsbasierte Kontaktaufnahme führt zu besseren Konversionen, weil hier von Anfang an Glaubwürdigkeit gegeben ist.
Alternative Nr. 6: Retargeting und Remarketing
Retargeting – also die Verwendung von Ads oder Nachrichten, die durch vorheriges freiwilliges Engagement ausgelöst werden – sorgt dafür, dass du sichtbar bleibst, ohne unaufgefordert in private Inboxes vorzudringen. Indem du Personen ansprichst, die deine Website besucht, ein Produkt angesehen oder mit deinen Inhalten interagiert haben, konzentrierst du dich auf jene, die nachweisliches Interesse bekundet haben.
Ads, Social-Media-Beiträge und Remarketing-E-Mails verstärken deine Botschaft im Laufe der Zeit zusätzlich und wecken das Interesse potenzieller Kunden, bevor du direkt mit ihnen in Kontakt trittst. Wenn diese Benutzer schließlich per Opt-in zustimmen, SMS oder E-Mails von dir zu erhalten, fühlt sich die Kommunikation gleich vertraut an. Beim Retargeting wird Unmittelbarkeit gegen Relevanz eingetauscht, was sich auf lange Sicht auszahlt.